Sternschnuppe(r)n – Teil 6

Auf Punkt und Komma: Feingeistig und mit dem ungetrübten Blick eines Lesers machte sich das Lektorat des novum Verlags an den Feinschliff von Sana Schmids Kinderbuch – und fügte der Geschichte noch ein paar Seiten hinzu.

Sana Schmid Die Sterne des TAges

„Sehr geehrte Frau Schmid,
im Anhang sende ich Ihnen die korrigierte und lektorierte Fassung Ihres Manuskriptes mit dem Titel „Die Sterne des Tages“, das Freigabeblatt und einen Leitfaden für die Bearbeitung des Buchtextes zu.“

Mit Herzklopfen las Sana Schmid, Autorin des kürzlich im novum Verlag erschienenen Kinderbuchs „Die Sterne des Tages“, die Nachricht ihrer Lektoratsassistentin Tanja Ferscha, als diese ihr die lektorierte Fassung ihres Lebenswerks zukommen ließ. Für einen Künstler ist es nie leicht, sein Werk aus der Hand zu geben, schon gar nicht, wenn es darum geht, kreativen Eigenschöpfungen Tür und Tor für Fremdzugänge zu öffnen. Doch da selbst der versierteste Autor nicht frei von Fehlern ist – schon Mark Twain gestand sich einst ein, dass er die weiten Dimensionen der Sprache Zeit seines Lebens nur bis zu ihren Grenzen, nie darüber hinaus, bereisen würde: „Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen gelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen“ –, kann es manchmal wertvoll sein, die Fremd- der Selbstwahrnehmung vorzuziehen.

Lektorat novum Verlag

Außerdem geht es beim Lektorat keineswegs darum, die dichterische Freiheit des Schriftstellers zu zäumen, viel mehr wird ihr durch den Blick eines Profis noch der gewisse Feinschliff verliehen. Im Falle Sana Schmids sollte sich das Lektorat als wertvolle Hilfestellung erweisen, die ihren Schreibfluss nicht stocken ließ, sondern – ganz im Gegenteil – ihm sogar noch ein paar Tastaturanschläge mehr entlockte. Befürchtungen, die eigenen Zeilen könnten durch fremdes Zutun ihre Stringenz verlieren, verliefen sich spätestens mit dem ersten Versuch einer Neufassung durch den Verlag: „Ich fühlte mich bei Frau Ferscha ja schon von Anfang an in wirklich guten Händen. Als ich aber den korrigierten und sorgsam dokumentierten Text vom Verlagslektorat Zeile für Zeile durchgegangen bin, ist dieser Eindruck noch verstärkt worden. Es ist einfach fein, dass sich da jemand so eingehend mit dem Text auseinandergesetzt und mir gute Vorschläge gegeben hat, wie er noch verständlicher und runder für den Leser und die Leserin werden kann.“

novum Verlag Neckenmarkt

Die Anmerkungen und Änderungen des Lektorats stellen zudem lediglich Vorschläge dar. Wer mit der Wortzugabe des Verlags nicht vollends einverstanden ist, braucht seinem Stil keineswegs untreu zu werden. So können vor der finalen Freigabe für den Text zwei Wochen lang alle durch den Verlag vorgenommenen Veränderungen auf Punkt und Komma geprüft werden. Wie der Text bearbeitet werden kann, ohne in eine komplizierte Korrespondenz mit dem Verlag zu geraten und so vielleicht den roten Faden zu einem verwirrenden Gewirr zu verflechten, erfahren Neuautoren in dem Leitfaden, den auch die Kinderbuchautorin Sana Schmid in ihrem Postfach vorfand. So kam es, dass die Germanistin zum wahrscheinlich ersten Mal in ihrem Leben eine Anleitung zum Schreiben in Anspruch nahm. Überarbeitungen hatten die Lektoren an entsprechender Stelle mit Sprechblasen gekennzeichnet, um diese für die Urheberin nachvollziehbar zu machen. Je nach Gegenliebe hatte Sana Schmid die Möglichkeit, die entsprechenden Änderungsvorschläge abzulehnen, zu akzeptieren oder sogar noch sprachlich perfektioniert auszudehnen.

Demnach kann die Endfassung des Buchs als Ergebnis eines Dialogs verstanden werden, in dem Autor und Lektor gemeinsam nach Sprachharmonie und dem Tüpfelchen auf dem i suchten. Bestand an einigen Textstellen Unklarheit zwischen den Sprachverliebten, so gab es an anderen nichts mehr hinzuzufügen. Flüchtigkeitsfehler wurden aufgespürt, Tippfehler korrigiert und Ausdrucksunstimmigkeiten mit Feingefühl überarbeitet. Mithilfe von Sprechblasen am Seitenrand konnten verschiedene Sichtweisen argumentiert, Gegenvorschläge gebracht und neue Gedanken von und auf allen Seiten eingebracht werden.

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Konstruktiv waren die Anmerkungen vor allem da, wo neue Figuren, Welten, Umwelten oder Handlungen die Geschichte erfinden. Häufig kommt es vor, dass sich der Schriftsteller mit Beschreibungen zurückhält, weil er die Idee geistig genau vor sich sieht. Hier hat der Autor dem Leser gewissermaßen etwas Entscheidendes voraus – seine Fantasie. Schließlich passierte es selbst Sana Schmid, dass ihrer Fantasie zwar die Figur, nicht aber die Skizzierung dazu entschlüpfte.

So hieß es in der Originalfassung an entsprechender Stelle etwa: „Schließlich unterbrach die Mückenwolke Effelu die nachdenkliche Stille: „Fabi, du hast doch ein Netz von Kransua bekommen. Wenn wir alle, die fliegen können, das Netz an den Enden halten, kann Tiku sich darauf setzen und so sicher über das Wasser gelangen.“ Im Eifer des Schreibgefechts hatte die Neuautorin wohl unbewusst auf eine Beschreibung des Fantasiewesens „Effelu“ verzichtet. Die Lektorin hingegen, die als Außenstehende auch objektiven Zugang zu der Geschichte erhält, versuchte vergeblich, die Figur mit Vorstellungskraft nachzuzeichnen. Mit einer Sprechblase direkt über der kleinen Mückenwolke Effelu machte sie ihre Erfinderin darauf aufmerksam: „Was ist dies genau? Es wäre vielleicht für den Leser hilfreich, wenn Sie dieses Wesen einführen könnten.“ Sana Schmid beherzigte den Rat und formte schließlich einen neuen Satz, mit der sie den Grundstoff ihrer Geschichte sogar noch bunter bestickte. In der Neufassung heißt es nun stattdessen: „Schließlich unterbrach die Mückenwolke Effelu die nachdenkliche Stille. Vierundzwanzig Mücken schwirrten in Effelu umher und alle gemeinsam waren sie ein einziges Wesen. So war Effelu ein Wesen mit mehreren Gehirnen, das deshalb am schnellsten denken konnte: „Fabi, du hast doch ein Netz von Kransua bekommen. Wenn wir alle, die fliegen können, das Netz an den Enden halten, kann Tiku sich darauf setzen und so sicher über das Wasser gelangen.

novum Verlag Neckenmarkt Burgenland

In Sana Schmids Fall bestätigte sich, dass der Blick anderer den Schauplatz eigener Gedanken erhellen und, mehr noch, sogar ausschmücken kann. In den meisten Fällen handelte es sich aber um Verbesserungsvorschläge die Idiomatik oder Syntax betreffend. Seltener kam es vor, dass sich Sana einer zu abstrakten Sprache für ihr Zielpublikum, Kinder ab acht Jahren, bedient hatte.

Den Punkt auf der letzten Seite setzte Sana mit einem guten Gefühl. Dank der Betreuung durch den novum Verlag konnte sie nicht nur kleinere Fehler ausmachen , sondern die Geschichte, an der sie etwa zehn Jahre lang gefeilt hatte, sogar noch in wenigen Tagen weiter ausbauen. Schließlich sandte sie das Freigabeblatt für ihren Text mit einem seltsam verklärten Gefühl an den novum Verlag retour. Dieser ließ mit Rückmeldung nicht lange auf sich warten – und setzte gleich eine neue Pointe auf dem Weg zur Publikation:

„Sehr geehrte Frau Schmid,
unsere Grafikabteilung hat Ihren Coverentwurf für Ihr Werk mit dem Titel „Die Sterne des Tages“ fertiggestellt. Sie finden Ihn im Anhang. Wenn das Cover Ihren Vorstellungen entspricht, unterfertigen und retournieren Sie bitte beigelegtes Freigabeblatt innerhalb der angegebenen Frist, gerne auch eingescannt per E-Mail.
Haben Sie das Cover schon auf sich wirken lassen?“

 

Fortsetzung folgt! Erfahren Sie im nächsten Teil unserer Reportage, welche Wirkung der Covervorschlag bei der Künstlerin erzielte, welche Schritte noch auf sie warten und wann Sie das Buch endlich in Händen halten dürfen!

Sie möchten auch Autor werden? Lesen Sie hier, wie es funktioniert!

Herzlichst,

Ihr novum Verlag

Lassen sie Ihrer Tastatur freien Lauf!


Zur Autorin:

Sana Schmid, geb. am 19. September 1970, studierte Germanistik und Kunst an der Universität Wien, bildete sich in den Bereichen Shiatsu, pädagogisch in der Kindergruppenbetreuung und kreativ in der Bildhauerei fort und ist in allen drei Feldern berufstätig. 2003 begann sie mit dem Schreiben ihres ersten Buchs, das sie 2005 vollendet und in den letzten zehn Jahren fünf Mal überarbeitet hat. Im Frühjahr 2015 hat Sana Schmid beschlossen, den Weg der Publikation gemeinsam mit dem Novum Verlag zu gehen und ihr Kinderbuch „Die Sterne des Tages“, nach zehn Jahren nun zu veröffentlichen.

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