Schreibkunstmusen

Federn, Füller und Maschinen – Wo die Inspiration aus Tintenfass und Minen fließt, hat der novum Verlag recherchiert.

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Mit der Inspiration verhält es sich zumeist wie mit dem Wetter – wechselhaft. Wer mit Sonne rechnet, wird oft vom Regen belehrt. Poetischen Stürmen folgt trostlose Windstille. Und graue Wolken trüben den Blick aufs Geschehen. Wird man dann unverhofft doch noch von der Muse geküsst, muss es meist schnell gehen. Der poetische Fluss muss aufs Papier, festgehalten und gespeichert werden. Flüchtig, wie er ist, bleibt aber selten Zeit für die Suche nach dem passenden Schreibutensil. Aus diesem Grund hat der novum Verlag die besten Schreibwerkzeuge für den poetischen Ausnahmefall recherchiert. Im ersten Teil der Serie „Schreibkunstmusen“ werden sicher die ein oder anderen Nostalgiker fündig. Modernere werden sich vielleicht für den zweiten Teil interessieren, in dem die digitalen Pendants federführend sind.

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Die Feder

„Die Feder ist mächtiger als das Schwert.“

Edward Bulwer-Lytton

Geduldige können sich mit einer Schreibfeder in der Kunst der Kalligraphie üben. Die Vogelkielfedern von Gänsen setzten sich etwa im 5. Jahrhundert nach Christus durch und waren ab da federführendes Werkzeug in der Geschichte des Schreibmaterials. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts löste die Stahlfeder die filigrane Vogelfeder als klassisches Schreibinstrument ab. Das Zeitalter der Füllfeder war angebrochen. Traditionalisten gleiten auch heute noch mit Vogelfeder und Tintenfass übers Papier. Dieser Tage können Schreibfedern zum Beispiel noch im Schreibwarengeschäft oder in diversen Onlineshops ergattert werden. Fingerfertige stutzen sich ihre Schreibfedern selbst zurecht. Anleitungen und Basteltipps finden sich beispielsweise im Internet. Der vollkommenen Askese geben sich Altmodische mit einem Schilfrohr hin, das bis zum Aufkommen der Feder als Schreibmittel der Wahl galt.


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Die Füllfeder

Die ersten professionellen Stahlfedern und damit unmittelbaren Vorläufer der heutigen Füllfedern waren die sogenannten „Reservoirfedern“. Zwar geht laut Deutschem Museum und den berühmten Ausgrabungen in Pompeji hervor, dass schon die alten Römer bewaffnet mit Federn aus Stahl in die Papieroffensive gingen, die dünnen Kupfer-, Silber- und Bronzeblechfedern brachten aber nicht das erforderliche Ausmaß an Elastizität mit sich. So kam es zum Beispiel nicht selten vor, dass die stählernen Prototypen beim Kleckern, Kratzen und Spritzen einen Papierkrieg verursachten oder sogar Löcher ins sorgfältig angefertigte Schriftstück rissen. Erst mit der Industrialisierung, der Erfindung von Schraubpressen und einer besonderen, technischen Finesse, der Lochung, konnte sich die Stahlfeder der alten Römer bewähren.

So sorgten gefinkelt angeordnete Schlitze, Kreuze und Dreiecke dafür, dass die Feder flexibler und die Tinte ergiebiger wurde. Endgültig durchsetzen konnte sich die Stahlfeder erst mit der Entwicklung zur Füllfeder, die 1883 von Lewis Edson Waterman auf den Markt gebracht wurde. Der amerikanische Versicherungsangestellte entwickelte ein Kautschukreservoir, mit dessen Hilfe Tinte für bis zu 1.600 Wörter gespeichert werden konnte. Das spezielle Tintenzufuhrsystem erleichterte den Schriftverkehr maßgeblich, war es doch bis dahin nötig gewesen, die Feder schon nach wenigen Worten erneut mit Tinte zu befeuchten.

Heute wie damals stand bei der Füllfeder aber immer auch die Ästhetik im Vordergrund. Stahlfederproduzenten des 19. Jahrhunderts wurden bei der Herstellung erster Federn vor allem aus Vermarktungszwecken kreativ. So kamen neben gekrümmten Federn, Federn in Fingerform, Erinnerungsfedern an denkwürdige Ereignisse wie Weltausstellungen oder Handelsmessen, Portraitfedern mit Gravuren berühmter Persönlichkeiten oder Kunstfedern mit Ornamenten, Tier- und Blumenmotiven auch Federn auf den Markt, die mit Prägungen von Schiff und Eisenbahn eine Hommage an die Wunder der Technik darstellen sollten.

Vor allem bei verklärten Romantikern erfreuen sich Füllfedern großer Beliebtheit. Dies mag einer der Gründe dafür sein, warum sich die verschiedenen Hersteller bei der Produktion von Unikaten wie Glasfedern bis hin zur Luxusfeder von Maserati selbst übertreffen.

Der Bleistift

„Der Mensch tut gut daran, einen Bleistift bei sich zu tragen und die Gedanken, wenn sie kommen, niederzuschreiben.“

Francis Bacon

Manchmal kommt die Inspiration unangekündigt. Dann muss es schnell gehen. Wer von Gedichten überflutet, Storyboards überrascht oder neuen Ideen heimgesucht wird, braucht meistens ein schnell verfügbares Schreibutensil. Bis der Computer hochgefahren oder die Schreibmaschine gezähmt ist, sind die originellsten Einfälle oft schon wieder vergessen. Hier leistet der gute, alte Bleistift mit passendem Notizblock immer noch unentbehrliche Dienste.

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Schon seit 1565 in den Händen der Menschheit, gilt die ergiebige Graphitmine auch im Zeitalter des Computers noch als unersetzliches Schreibinstrument. So inspiriert der Duft von Zedernholz, aus dem der Mantel des Bleistifts üblicherweise hergestellt wird, auch gegenwärtig noch Künstler jedweden Genres. Vom Architekten, über den Maler und Zimmermann bis hin zum Poeten – sie alle bedienen sich des grauen Gedankenventils, um gute Ideen auf Papier festzuhalten. Weniger gute Ideen radieren Perfektionisten mit Gummi oder Kautschuk wieder von der Agenda. Dem puren Inspirationsfluss hingegen geben Spitzer oder Bleistiftverlängerer eine Mine.

Alles in einem vereint zum Beispiel der „Perfekte Bleistift“ von Faber Castell, der neben einem austauschbaren Radiergummi unter edler Verschlusskappe aus Sterlingsilber auch mit einem Spitzeraufsatz ausgestattet ist.

Die Schreibmaschine

„Eine Schreibmaschine ist ein Gedankenklavier.“

Kurt Tucholsky

Ein wahres Kunstwerk ist nicht nur, was mit ihr entsteht, sondern auch sie selbst – die Schreibmaschine. Bei der Schreibmaschine eint sich ein mechanisches Getriebe aus Tastatur, Typenhebel, Typenwalze, -rad und Kugelkopf zum kunstvollen Gesamtwerk. Nostalgischen Schriftstellern wird das tönende Ensemble aus Tastenanschlägen und Wagenrücklauf mitunter zum persönlichen Orchester.

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Das Patent für die erste Schreibmaschine geht auf Henry Mill und das Jahr 1714 zurück. Bis zur Erfindung des Computers, der den Schreibapparat ablösen sollte, folgten namhafte Hersteller wie AEG, Canon, Olivetti, Panasonic, Remington oder auch Samsung mit ihren ganz eigenen Interpretationen der Druckmaschine.

Eines gewissen Retrocharmes kann man sich beim Anblick der anmutigen Maschinen wahrlich schwer entziehen. Schreibmaschinen erleben zurzeit gar eine eigene Renaissance, der Hersteller wie Olympia mit neuen, elektronischen Schreibmaschinen für rasch aufgesetzte Formulare, Kurzbriefe oder Gedichte gerecht werden.

Mehr Infos zum Schreiben finden Neuautoren auf unserer Homepage!

Euer novum Verlag,

„Lasst Eurer Tastatur freien Lauf!“


 

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